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Altarfragment

Objektbezeichnung:Altarfragment
Sachgruppe:3. Altarreste / Maßwerke / Baldachine
Ort:Lübeck
Datierung:um 1500
Maße:H: 85 cm, B: 76 cm, T: 21,5 cm (Basisbohle), T: 14,8 cm (Gefache)
Material:Eiche
Technik:geschnitzt
gefasst
Ein zur Aufnahme einer nicht zugehörigen Reliefgruppe (vgl. Much 1920) roh zusammengesetztes Gefach, das neben dem Fragment einer Basisbohle und zwei gestutzten Wangenstücken vier Rückwandbretter eines verlorenen Schnitzretabels sekundär wieder verwendet. Die Rückwandbretter sind entgegen ihrer ursprünglichen Ausrichtung quer eingesetzt, stark beschnitten und insgesamt zusammenhangslos aneinandergefügt. Zwei der mit Fassungsresten versehenen Bretter gehörten aufgrund der noch ansatzweise erkennbaren großen Nimben und Körperumrisse offensichtlich zur Rückwand eines Retabelschreines, in dem großformatige Standfiguren von (weiblichen) Heiligen aufgestellt waren; der erhaltene identifizierbare Rest einer Nimbeninschrift vermerkt: "SANCTA MA[RGARETHA?]". Ein weiteres Brett mit deutlich kleinerem Nimbus (Inschriftrest: "SANCTA DORO[THEA]") scheint einem untergeordneten Feld zu entstammen. Gegen die naheliegende Vermutung, es handele sich dabei möglicherweise um ein Gefach der Retabelflügel, spricht der Umstand, daß die Rückseite der Tafel nur roh zugerichtet und nicht geglättet ist, wie es für einen beweglichen Flügel mit Malerei auf der Außenseite zu erwarten wäre. Die untergeordneten Felder mit ihren kleineren Figuren müssen daher im Schrein gesessen haben und zwar - offenbar in zwei Registern übereinander - links und rechts des beherrschenden Mittelfeldes, das die großformatigen Figuren aufgenommen haben wird.
Tatsächlich findet diese Überlegung Bestätigung an den ursprünglich als gefachteilende Architekturglieder des Schreines eingesetzten Wangenstücken, indem dort Aussparungen der Vergoldung im unteren Bereich die Höhe der ehemaligen Sockelzone (gefachweise variierend: in der Mitte ca. 12 cm, an den Seiten ca. 8,5-9 cm) definieren, während ca. 60-70 cm darüber - und diesmal ausschließlich den seitlichen Feldern zugewandt - ebensolche Aussparungen den Anschlag von Baldachinen beziehungsweise Schleierbrettern anzuzeigen scheinen. Die beiden Wangenstücke, die als Strebepfeiler ausgebildet sind, besaßen auf ihrer Stirnseite von vollrunden gedrehten Säulchen getragene, jetzt verlorene Tabernakelfiguren.

Der Schrein mit einer Gesamthöhe von etwa 180 cm ist zu rekonstruieren mit mehreren großen zentralen Standfiguren in der Art der Retabel des Imperialissima-Meisters beziehungsweise letztlich mit dem 1477-1479 von der Bernt Notke-Werkstatt ausgeführten Hochaltarretabel im Dom zu Århus zu vergleichen. Abweichend von diesem erscheint jedoch die Hinzufügung seitlicher untergeordneter Gefache, in denen die sonst in den Flügeln vorkommenden kleineren Nebenfiguren untergebracht waren. Die Formensprache der Architekturelemente weist auf Lübecker Schreine der Zeit um oder kurz vor 1500 (vgl. Inv..Nr.n 80, 1892-129). Nahezu identisch in der Ausbildung der zu rekonstruierenden Maßwerkbaldachine ist das Flügelretabel in der Laurentiuskirche im schwedischen Söderköping (Östergötland; vgl. Tångeberg 1986, passim, Abb. 174b S. 224), das als Lübecker Exportwerk der Jahre um 1500 anzusehen ist.
Epigraphische Besonderheiten, wie die ungewöhnliche byzantinische Form des Buchstabens M in Gestalt eines H mit senkrechtem Mittelstrich unter dem Querbalken, die so auch in Inschriften auf altniederländischen Retabeln der Zeit um 1480 auftritt (vgl. etwa das Jan Floreins-Triptychon von Hans Memling aus dem Jahre 1479 im Sint-Janshospitaal in Brügge [Memlingmuseum, Inv.Nr. O.SJ 173.I; vgl. Vos, Dirk de: Hans Memling. Het volledige oeuvre. Antwerpen 1994, Nr. 32 S. 158-162], wo der Anfangsbuchstabe des Künstlernamens eben dieses Merkmal zeigt), und der Duktus der Schrift in den Nimben finden ihre nächste Entsprechung in dem 1484 datierten und von Hermen Rode signierten Retabel der Lukasbruderschaft (Inv..Nr. 1892-193a-b), dem Retabel des Kranenkonvents (Inv.Nr. 12) sowie wiederum in dem Retabel in Söderköping.

Nach Albrecht 2005, Kat. Nr. 99

Inventarnummer: 24,2

Signatur: Inschrift (Nimbus, oben: SANCTA MA[RGARETHA?])

Signatur: Inschrift (Nimbus, unten: SANCTA DORO[THEA])

Signatur: bezeichnet (Vorderkante der Standfläche, rote Kreide: No 24)

Signatur: Versatzmarke (Wangenstücke: 3 beziehungsweise 4 Punzenschläge)

Signatur: Versatzmarke (Baldachinbereich, unteres Brettstück: 3 Punzenschläge)

Abbildungsrechte: St. Annen-Museum