Object description:
Gemälde
Dating:
1936 - 1936
Dimensions:
H: 50 cm, B: 74,5 cm
Material:
Papier
Sand
Technique:
Malerei
Mischtechnik
Subject group:
Bildwerke / Angewandte und Bildende Kunst
Providing institution:
Stadtgalerie Kiel
Die Bildwelten des neu-sachlichen Malers Gottfried Brockmann (geboren 1903 in Köln, gestorben 1983 in Kiel) oszillieren zwischen Wirklichem und Phantastischem.
In den Jahren 1923-25 hielt Brockmann engen Kontakt zum Kreis der "rheinischen Gruppe progressiver Künstler", besonders zu Franz W. Seiwert, Heinrich Hoerle und August Sander, durch die seine freie künstlerische Arbeit eine politische, sozialutopische Formulierung erfuhr. 1926 nahm er sein Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie auf, die er 1933 gen Berlin verließ, als er sich der nationalsozialistischen Verfolgung ausgesetzt sah. In Berlin war er bis in die beginnenden 1940er Jahre nach eigener Aussage vor allem kunsthandwerklich tätig und entzog sich so dem Zugriff der nationalsozialistischen Kunstdoktrin. 1942-45 leistete er Heeresdienst und geriet anschließend in amerikanische Kriegsgefangenschaft. 1952 zog Brockmann nach Kiel und arbeitete durch Vermittlung des Oberbürgermeisters Andreas Gayk, mit dem er bereits in Berlin Bekanntschaft gemacht hatte, zunächst als Kulturreferent der Landeshauptstadt, später, ab 1955, als Lehrender an der damaligen Muthesius-Werkschule.
Seine Bildschöpfungen enthalten Anleihen an den Surrealismus, besonders an Max Ernst, und an die italienische "pittura metafisica". Brockmann verrätselt und verzaubert die Dingwelt, entrückt sie aber nicht gänzlich der Realität; vielmehr entwirft er eine sehr persönliche Symbolik, die seine Bildsprache objektivierbar und allgemein verbindlich macht (siehe Thiele 1995, S. 18). Vor allem hebt Brockmann seinen künstlerischen Kosmos aus der eigenen Zeit und setzt ihn in eine Überzeitlichkeit, wodurch die Aktualität seiner Werke nie nachgelassen hat.
Das Dreierensemble aus Taubenlocker, Krug und Öllampe stammt aus dem Jahr 1936. Brockmann übermalte jedoch die erste Fassung (Abb. im Kat. zur schleswig-holsteinischen Landesschau 1959/60, Kunsthalle zu Kiel), wobei er den ursprünglich dargestellten Holztisch 1962 durch einen Schemel (rechts unten im Bild) und durch ein Felsplateau ersetzte. Die Felsformation verleiht dem Gemälde eine bühnenhafte Inszenierung; unterstützt wird die theaterhafte Wirkung durch die an Fäden aufgehängte, scheinbar schwebende Tontaube in der Bildmitte. Durch den Sand, der in die Ölfarbe eingearbeitet ist, erzielt Brockmann die besondere Tonigkeit seiner Malerei.
Gernot Thiele sieht in den drei Vogelgestalten eine Bezugnahme auf die psychoanalytische Traumdeutung und liest sie entsprechend als Symbol für Weiblichkeit und Mutterarchetypus; das Ersetzen des Holztisches durch einen Felsen versteht er als Abkehr von Freud und Hinwendung zu den jüngeren Theorien C.G. Jungs. In der Thematisierung des Mutterarchetypus kann die Dreiergruppe auch als modern-ironische Interpretation der Verkündigungsszene gelesen werden. Die an den Fäden schwebende Taube tritt in ihrer traditionellen Funktion auf, als Hinweis auf die Empfängnis durch den Hl. Geist.
(Jessica Wieczorek)
In den Jahren 1923-25 hielt Brockmann engen Kontakt zum Kreis der "rheinischen Gruppe progressiver Künstler", besonders zu Franz W. Seiwert, Heinrich Hoerle und August Sander, durch die seine freie künstlerische Arbeit eine politische, sozialutopische Formulierung erfuhr. 1926 nahm er sein Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie auf, die er 1933 gen Berlin verließ, als er sich der nationalsozialistischen Verfolgung ausgesetzt sah. In Berlin war er bis in die beginnenden 1940er Jahre nach eigener Aussage vor allem kunsthandwerklich tätig und entzog sich so dem Zugriff der nationalsozialistischen Kunstdoktrin. 1942-45 leistete er Heeresdienst und geriet anschließend in amerikanische Kriegsgefangenschaft. 1952 zog Brockmann nach Kiel und arbeitete durch Vermittlung des Oberbürgermeisters Andreas Gayk, mit dem er bereits in Berlin Bekanntschaft gemacht hatte, zunächst als Kulturreferent der Landeshauptstadt, später, ab 1955, als Lehrender an der damaligen Muthesius-Werkschule.
Seine Bildschöpfungen enthalten Anleihen an den Surrealismus, besonders an Max Ernst, und an die italienische "pittura metafisica". Brockmann verrätselt und verzaubert die Dingwelt, entrückt sie aber nicht gänzlich der Realität; vielmehr entwirft er eine sehr persönliche Symbolik, die seine Bildsprache objektivierbar und allgemein verbindlich macht (siehe Thiele 1995, S. 18). Vor allem hebt Brockmann seinen künstlerischen Kosmos aus der eigenen Zeit und setzt ihn in eine Überzeitlichkeit, wodurch die Aktualität seiner Werke nie nachgelassen hat.
Das Dreierensemble aus Taubenlocker, Krug und Öllampe stammt aus dem Jahr 1936. Brockmann übermalte jedoch die erste Fassung (Abb. im Kat. zur schleswig-holsteinischen Landesschau 1959/60, Kunsthalle zu Kiel), wobei er den ursprünglich dargestellten Holztisch 1962 durch einen Schemel (rechts unten im Bild) und durch ein Felsplateau ersetzte. Die Felsformation verleiht dem Gemälde eine bühnenhafte Inszenierung; unterstützt wird die theaterhafte Wirkung durch die an Fäden aufgehängte, scheinbar schwebende Tontaube in der Bildmitte. Durch den Sand, der in die Ölfarbe eingearbeitet ist, erzielt Brockmann die besondere Tonigkeit seiner Malerei.
Gernot Thiele sieht in den drei Vogelgestalten eine Bezugnahme auf die psychoanalytische Traumdeutung und liest sie entsprechend als Symbol für Weiblichkeit und Mutterarchetypus; das Ersetzen des Holztisches durch einen Felsen versteht er als Abkehr von Freud und Hinwendung zu den jüngeren Theorien C.G. Jungs. In der Thematisierung des Mutterarchetypus kann die Dreiergruppe auch als modern-ironische Interpretation der Verkündigungsszene gelesen werden. Die an den Fäden schwebende Taube tritt in ihrer traditionellen Funktion auf, als Hinweis auf die Empfängnis durch den Hl. Geist.
(Jessica Wieczorek)
Inventarnummer:
5894
Signatur(en):
monogrammiert (u.l.: B)
bezeichnet (Rückseite: Gottfried Brockmann 1936 Tonvögel)
Added to portal:
2026-01-30T16:45:43Z
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