Die vier Tafeln gehörten, bevor sie zersägt wurden, den beiden Innenflügeln eines Schnitzretabels an. Während die Schnitzseite der Flügel ursprünglich in vier Gefachen je drei Apostelfiguren aufwies, waren die vier Gemäldetafeln jeweils mit einer szenischen Darstellung der Marien- bzw. Kindheitsgeschichte Christi ausgestaltet. Bei geschlossenem Schrein standen sich im oberen Register die Verkündigung an Maria und die Heimsuchung gegenüberstanden, während das untere Register die Geburt Christi und die Anbetung durch die Könige zeigte. Das ikonographische Programm des Mittelschreines kennen wir nicht, doch scheint in Verbindung mit dem geschnitzten Apostelkollegium und den gemalten Stationen aus der Kindheitsgeschichte Christi eine Kreuzigungsdarstellung als Hauptthema nicht ausgeschlossen (vgl. Inv.Nr. 25).
Auf der ehemaligen Außenseite links unten die Darstellung der Anbetung der Hll. Drei Könige. Die Malerei kennzeichnet ein neutraler Goldgrund, vor dem Hügelketten, Flußläufe und Stadtansichten in bläulich-luftperspektivischer, eher skizzenhafter Andeutung als zarttonige Fernlandschaften erscheinen. Deutlich davon abgesetzt sind die Kulissenbäume und Architekturstaffagen des Vordergrundes, die die sehr schlanken, geradezu zierlichen Figuren rahmen und umgeben. Diese füllen mit ihren großen Nimben zu zwei Dritteln die Tafeln aus. Haare und Binnenzeichnung der Gewandmuster sind mit feinem Pinselstrich ausgeführt. Obwohl zweifellos eine eher konservative Bildauffassung vorherrscht, die noch ganz in der Kunst des 15. Jahrhunderts wurzelt, sind bereits erste zaghafte Frührenaissance-Motive, wie die Balustersäule des runden Tisches auszumachen. Insgesamt besticht die qualitätvolle Malerei durch ihr zartes, helles Kolorit, die ausgewogene und perspektivisch sichere Komposition sowie die undramatische lyrisch-intime Stimmung. Die über rotem Bolus glanzvergoldete Innenseite der Gemäldetafel trug ursprünglich drei Apostelfiguren, Jacobus Maior, Johannes, Thomas, von denen sich einzig die Figur des Jacobus Maior (Pastorat der Jakobikirche) erhalten hat.
Nach Albrecht 2005, Kat. Nr. 167