Mit der Reformation muss die Armenfürsorge neu geregelt werden: Anstelle der Kirchen nehmen die neuen Kirchenordnungen nun die Gemeinden in die Pflicht. Almosen werden in Armenbüchsen gesammelt. Während nach katholischer Lehre gute Werke die Vergebung der Sünden unterstützen, bewirkt nach Luther allein die Gnade Gottes Vergebung. Die Inschriften der Armenbüchse erinnern deshalb an Gottes Gerechtigkeit: EINEN FRÖLIKEN GEVER HEFT GODT LEEF. Die Inschrift auf dem Boden geht ebenfalls auf den 2. Korinther-Brief zurück (und ist dort ein Zitat nach den Psalmen): Er hat ausgestreut, er hat den Armen gegeben; seine Gerechtigkeit bleibt in Ewigkeit. Unterstützt wird der appellative Charakter der Inschriften durch die bildliche Darstellung auf dem Boden der Armenbüchse: Sie zeigt einen Herrn in zeitgenössischer Tracht, der einem Armen ein Almosen überreicht.
Im Ganzen ist die Büchse eher schlicht und doch funktional gestaltet: Der Deckel mit dem Tragegriff und der Boden sowie der Dekor sind aus Messing, die Seiten aus Fischbein gearbeitet. Das spricht für die Herstellung in der Küstenregion.