Ernst Barlachs Plastik „Schwebender Gottvater“ wurde nach einem Modell des Künstlers 1922 in Böttger-Steinzeug von der Porzellanmanufaktur Meissen produziert. Motivisch ist die Figur des schwebenden Gottvaters mit geöffneten Händen eng verwandt mit dem ersten Holzschnitt „Der erste Tag" aus dem Zyklus "Die Wandlungen Gottes", der ebenfalls 1922 erschien. Hier gehen Strahlen aus den geöffneten Händen hervor, so dass der Zusammenhang mit der Schöpfung deutlicher wird, während die Geste bei der Plastik allgemeingültiger auch als das Spenden von Segen gedeutet werden kann.
Die Verbindung von Ernst Barlach (1870-1938) mit der Porzellanmanufaktur Meißen begann 1922, in einer Zeit des künstlerischen Aufbruchs in der Manufaktur. Insgesamt schuf er zwei für Meissen. Den „Schwebenden Gottvater“, der im Herbst 1923 erstmals in Böttgersteinzeug ausgeformt wurde, sowie die „schlafenden Vagabunden“ (vergl. Inv.-Nr. 1972-37).