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Der Jahnshof vom Kleinen Kiel gesehen

Objektbezeichnung:Gemälde
Sachgruppe:Malerei
Künstler:Unbekannt
Datierung:um 1840
Maße:Bildmaße: H: 22 cm, B: 26 cm
Material:Leinwand
Technik:Öl
Das kleine Ölgemälde von unbekannter Hand zeigt eine Ansicht des einst berühmten Jahnschen Hofes in Kiel mit seiner idyllischen Lage direkt am Wasser des Kleinen Kiel. Von derselben Hand stammen auch der Gegenblick des Anwesens, die Ansicht vom Garten (H 67), und der Blick auf den Kleinen Kiel vom Jahnshof (H 66).

Jahns Hof ?lag in der Altstadt, Küterstraße 17, wo die Höhere und die Städtische Mädchenschule jahrzehntelang nacheinander waren und wo jetzt die Handwerker- und Kunstgewerbeschule untergebracht ist. Jahns Hof aber war erheblich größer. Er schloss auch das Grundstück des Pastorats in der Faulstraße und auf der anderen Seite das der Holleschen Goldleistenfabrik (jetzt Schaufers Speicher) in sich und ging über den jetzigen Martensdamm bis an den Kleinen Kiel heran, in den ehemals die Weiden hinab hingen. Seinen Namen hat er von dem Syndicus Jahn, dem er vor hundert und mehr Jahren gehörte. Welch ein schöner Besitz!? Jahn hatte das Anwesen 1806 für sich und seine Familie erworben. Diese genaue Ortsbeschreibung verdanken wir Gustav Stoltenberg aus dem Jahre 1939 (Stoltenberg, 1939, S. 65, siehe Literatur), der hier 1883 als Lehrer an der Höheren Mädchenschule angestellt worden war. Nach Abbruch des Jahnschen Hofes 1895 und nach den Kriegszerstörungen, die Kiel bekanntlich besonders hart trafen, wird das Grundstück heute vom Hochhaus der HSH Nordbank besetzt. Jahns Hof gilt in der Kulturgeschichte Kiels als wahrer Musenhof in der Zeit des Vormärz, nachzulesen in den Erinnerungen von Julie Michaelis, geb. Jahn. Akademiker und Politiker, die in der Erhebungszeit bedeutende Rollen spielten, Musiker, Dichter und Künstler suchten die Gesellschaft von Syndicus Jahn, darunter auch der dänische Bildhauer Berthel Thorvaldsen, bei dem Jahns ältester Sohn Adolph drei Jahre in Rom weilte, um die Bildhauerei zu erlernen.

Diese bedeutende historische Stätte nimmt zudem einen besonderen Platz in der Kieler Stadtgeschichte ein, weil Jahnshof der erste Ort der 1861 gegründeten Höheren Mädchenschule war. Diese wechselte 1888 in einen Neubau am Blocksberg, ganz im Stil preußischer Schulgotik errichtet und architektonisch der Humboldt-Schule verwandt, und war seit 1925 am Ravensberg in dem 1906/07 von Stadtbaurat Pauly errichteten, neubarocken Bau der ehem. Doppel-Mittelschule untergebracht. Nach verschiedenem Orts- und Namenswechsel also entwickelte sich diese Bildungsanstalt zur heutigen Ricarda-Huch-Schule. Diesen Namen trägt das Gymnasium seit 1948, das noch eine Zeit lang weiter die Tradition einer Mädchenschule bewahrte. Im Jahre 1960 wurde der Grundstein für den modernen Schulneubau nach Entwurf von Stadtbaurat Herbert Jensen am Westring gelegt. 2011 feiert die Ricarda-Huch-Schule ihr 150jähriges Jubiläum.

Ein weiterer Aspekt aus der vielfältigen Geschichte von Jahnshof verbindet die Stadt Kiel mit einer weltberühmten Persönlichkeit, mit dem Nobelpreisträger Max Planck. 1858 wurde hier Max Planck geboren, als Jahnshof teilweise an Professoren-Familien vermietet war.

Wie das Ölbild überliefert, bestand das Anwesen aus einer Gruppe von Bauten, ein- bis dreigeschossig, die in etwa drei Flügel bildeten um einen Hof zur Stadtseite im Norden. Ein weiterer Trakt mit Walmdach legte sich in West-Ostrichtung an die Seite und wandte die Stirnfront zum Wasser, wie auf dem Gemälde deutlich wiedergegeben. Das korrespondiert mit einem Stadtplan Kiels von 1838 und einer Grundrisszeichnung des Anwesens von 1827 (Stadtarchiv Kiel). Der anonyme Künstler gibt Topographie und Gestalt von Jahns Hof, der ursprünglich ein Gutshaus gewesen war, recht genau wieder und setzt auch die damals berühmte Lindenallee entsprechend ins Bild. Aus der Perspektive des Malers von Süden schiebt sich das Anwesen wie auf einer Halbinsel in den Kleinen Kiel vor, der noch ungeteilt die Altstadt umfloss und mit kleinen Booten befahrbar war. Nur wenig Bebauung erblickt man nach Westen. Die feinpinselige Leinwand kann gut dem Biedermeier zugeordnet werden.

Außer den Ölgemälden dokumentieren etwa Zeichnungen von Adolf Lohse oder Georg Burmester das Haus. Bereits erwähnte Pläne ergänzen das Bild.

Literatur:
  • Führer durch die Historische Landeshalle für Schleswig-Holstein in Kiel, Kiel, 1913
  • Stoltenberg, Gustav: Jahns Hof in Kiel, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, 43, Kiel, 1939, S. 65-76
  • Dröse, Konrad: Die Kieler Stadtansichten 1585 - 1900, Kiel, 1954
  • Hansen, Jens Godber: Schule ?? Spiegel ihrer Zeit. Die Geschichte der Ricarda-Huch-Schule in Kiel 1861 -1986 (=Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, 72), Neumünster: Wachholtz Verlag, 1986
  • Michaelis, Adolf: Julie Michaelis Familienerinnerungen. Ein Kieler Musenhof im Vormärz (Nachdr. der Ausg. Leipzig, 1893) (=Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Sonderveröffentlichung 21), Kiel, 1988

Inventarnummer: H 65

Signatur: unbezeichnet

Abbildungsrechte: Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek - Landesgeschichtliche Sammlung Landesgeschichtliche Sammlung


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Dargestellter Ort:Kiel